Legionellen im Kaltwasser: was Hitze für Pflegeheim und Klinik heißt
Im Hochsommer merkt man es manchmal schon beim Händewaschen: Das Wasser aus dem Kaltwasserhahn ist nicht mehr richtig kalt. In einem Pflegeheim oder einer Klinik lohnt sich dann ein zweiter Blick, denn dort ist das mehr als eine Frage des Komforts.
Das Problem: Legionellen vermehren sich dort, wo Wärme, stehendes Wasser und Biofilm zusammenkommen. Biofilm ist ein dünner, schleimiger Belag aus Mikroorganismen an der Innenwand der Leitung, in dem Legionellen Schutz finden. Die Hitzewelle bringt die Wärme mit, und jeder Hahn und jede Dusche, die tagelang niemand aufdreht, liefert das stehende Wasser dazu.
Warum Kaltwasser bei Hitze warm wird
Kaltes Wasser bleibt nur kalt, solange es fließt oder die Umgebung kühl ist. Bleiben die Räume über längere Zeit wärmer als 25 °C, kann auch das Wasser in gut gedämmten, sauber verlegten Leitungen auf über 25 °C steigen. Die VDI 6023, die Hygienerichtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure für Trinkwasserinstallationen, weist ausdrücklich darauf hin. Für diesen Fall sieht sie organisatorische oder bauliche Gegenmaßnahmen vor.
Die Dämmung um die Rohre verschafft dabei nur Zeit. Steht das Wasser lange genug, nimmt es die Wärme trotzdem an. Im Sommer trifft es darum vor allem die Dusche, die tagelang niemand aufdreht. Das gilt nicht nur im leeren Zimmer: Wird jemand im Bett gewaschen, bleibt auch die Dusche in diesem belegten Zimmer unbenutzt.
Dazu kommt Wärme aus dem Haus selbst. Kaltwasserleitungen, die durch Technikräume oder durch warme Schächte laufen, heizen sich unterwegs auf. Und bei großer Hitze kann das Wasser schon wärmer als 20 °C sein, wenn es ins Haus kommt. Dann bleibt bis zur Grenze von 25 °C kaum Spielraum.
Eine Hitzewelle allein ist trotzdem kein Grund zur Sorge. Der DVGW, der technisch-wissenschaftliche Fachverband für Gas und Wasser, hat das in einem Forschungsprojekt untersucht: Stieg die Temperatur nur kurz über 25 °C, schnellten die Legionellenzahlen nicht sofort in die Höhe. Heikel wird es, wenn die Wärme bleibt und das Wasser steht. Warum gerade diese Mischung aus Wärme, Stillstand und Biofilm den Legionellen so gut gefällt, zeigt unser Überblick darüber, wie Legionellen entstehen.
Kaltwasser & Temperatur
Ab wann Kaltwasser zu warm ist
Für Ihr Haus wiegt das schwerer als anderswo. Bei Ihnen wohnen oder liegen viele Menschen, für die eine Legionelleninfektion besonders gefährlich ist, ältere Menschen etwa oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Was das im Alltag bedeutet, lesen Sie auf unseren Seiten für Pflegeheime und für Krankenhäuser.
Kaltwassertemperatur richtig messen
Ob Ihr Haus betroffen ist, verrät Ihnen keine Hand unter dem Hahn. Dafür brauchen Sie ein Thermometer und den richtigen Ort: Am meisten sagt das Wasser am Ende einer Leitung, also an den letzten Hähnen und Duschen, die es erreicht. Messen Sie außerdem in Räumen, die sich im Sommer aufheizen.
Die Mühe lohnt sich doppelt. Sie sehen früh, wo eine Leitung zu warm wird, und Sie haben später genau die Werte zur Hand, die sich Fachleute nach einem Befund für die Risikoabschätzung ansehen. Das ist die schriftliche Bewertung darüber, wo in der Anlage das Risiko liegt. Zu den Werten, die dabei geprüft werden, zählt laut der Empfehlung des Umweltbundesamtes zur Risikoabschätzung auch die Temperatur an den letzten Hähnen und Duschen.
Wichtig ist auch, wie Sie messen. Drehen Sie den Hahn ganz auf und lesen Sie den Wert erst nach einer halben Minute ab. Die Norm DIN 1988-200 sagt: Im normalen Betrieb darf Kaltwasser 30 Sekunden nach dem vollen Aufdrehen höchstens 25 °C haben. Liegt Ihr Wert darüber, stimmt an dieser Stelle etwas nicht, und das ist ein Fall für Ihre Haustechnik oder einen Fachbetrieb.
Eine zweite Messung dort, wo das Wasser ins Haus kommt, am sogenannten Hauswassereingang, zeigt, woher die Wärme stammt. Ist das Wasser schon dort warm, liegt die Ursache im öffentlichen Netz, also noch vor Ihrer eigenen Installation. Wird es erst auf dem Weg zu den Zimmern warm, liegt sie in Ihrem Haus. Das ist die bessere Nachricht, denn dann können Sie selbst etwas ändern.
Was Sie Ihre Haustechnik diese Woche fragen können
- Wo messen wir die Temperatur des Kaltwassers, und wann haben wir das zuletzt getan?
- Gibt es Leitungen oder Leitungsstücke, die niemand mehr nutzt?
- Kommt das Wasser im Sommer schon warm im Haus an?
- Wer spült die selten benutzten Duschen, und wo wird das festgehalten? (Spülen bedeutet: so lange zapfen, bis frisches Wasser nachkommt.)
Was Sie dabei aufschreiben sollten
Notieren Sie bei jeder Messung Datum, Uhrzeit, Ort und Wert. Nach ein paar Wochen sehen Sie daran, ob Sie einen heißen Nachmittag erwischt haben oder eine Leitung, die dauerhaft zu warm ist. Zeigt später ein Laborbefund Legionellen, hilft die Liste auch bei der Risikoabschätzung, denn dort fließt ein, was über die Anlage und ihre Nutzung bekannt ist. Und Sie können belegen, dass jemand hingeschaut hat.
Was im Sommer gegen warmes Kaltwasser hilft
Bevor Sie über Routinen nachdenken, lohnt sich die Frage nach der Ursache, denn davon hängt die Abhilfe ab. Läuft die Kaltwasserleitung durch einen Technikraum oder einen warmen Schacht, lassen Sie sie neu verlegen. Reicht die Dämmung nicht aus, lassen Sie sie verbessern. Beides ist Arbeit für einen Fachbetrieb, aber so packen Sie das Problem an der Wurzel.
Steht das Wasser dagegen zu lange, gibt es zwei Wege. Duschen und Hähne, die niemand mehr braucht, lassen Sie samt Zuleitung ausbauen, möglichst einschließlich des Abzweigs. So bleibt kein totes Leitungsende zurück, in dem das Wasser dauerhaft steht. Alle übrigen spülen Sie regelmäßig.
Die VDI 6023 geht dabei davon aus, dass das Wasser spätestens alle 72 Stunden ausgetauscht wird. In Krankenhäusern und Seniorenpflegeheimen und überall dort, wo sich das Kaltwasser stärker erwärmt, hält sie kürzere Abstände für nötig. Anders gesagt: Für Ihr Haus sind 72 Stunden eher die Obergrenze als der Regelfall. Wie lange und wie oft Sie spülen, erklärt unser Beitrag zur Hygienespülung im Trinkwasser.
Schwieriger wird es, wenn das Wasser schon warm ins Haus kommt. Dann hilft Spülen allein nicht, weil auch das frische Wasser warm ist. In diesem Fall braucht es eine Lösung, die für das einzelne Gebäude geplant wird, zum Beispiel regelmäßiges Spülen zusammen mit einer aktiven Kühlung des Kaltwassers.
Die Reihenfolge lautet also: erst die Ursache, dann die Routine. Spülen hält das Wasser in Bewegung, beseitigt aber keine Wärmequelle am falschen Ort.
Für Duschen, die tagelang niemand benutzt, gibt es das Hygienespülgerät für Aufputz-Armaturen von Aqvior. Es sitzt hinter der vorhandenen Armatur, spült die Dusche automatisch und dokumentiert jede Spülung, ohne dass jemand daran denken muss. Waschbecken und alle anderen Hähne spülen Sie weiter nach dem Plan Ihres Hauses.
Wenn Legionellen im Kaltwasser gefunden werden
Kommt ein positiver Befund aus dem Labor, liegt die Frage nahe, ob für Kaltwasser andere Regeln gelten. Die Antwort ist kurz: nein. Die Trinkwasserverordnung unterscheidet nicht zwischen kalt und warm.
Entscheidend ist stattdessen der technische Maßnahmenwert, also der Wert, ab dem Sie handeln müssen. Für Legionellen liegt er bei 100 KBE/100 ml, das heißt 100 Bakterienkolonien, gezählt in 100 Millilitern Wasser.
Ist dieser Wert in der Trinkwasserinstallation erreicht, gibt § 51 TrinkwV eine feste Reihenfolge vor. Zuerst zeigen Sie den Befund beim Gesundheitsamt an, dann lassen Sie die Ursache klären, und dazu gehört eine Besichtigung vor Ort. Danach folgt eine schriftliche Risikoabschätzung, und aus ihr ergibt sich, was zu tun ist. Den ganzen Weg Schritt für Schritt beschreibt unser Ratgeber dazu, was bei Legionellen im Trinkwasser zu tun ist.
Ab 100 KBE/100 ml
Die Reihenfolge nach einem Befund, im Kalt- wie im Warmwasser
Praktisch heißt das: Jetzt zahlen sich Ihre Messwerte aus dem Sommer aus. Wer sie vorlegen kann, gibt den Fachleuten einen Ausgangspunkt, denn die Liste zeigt, welche Leitung wann zu warm war.
Für medizinische Einrichtungen verweist das Umweltbundesamt zusätzlich auf die Empfehlungen der KRINKO, der Kommission für Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. In Krankenhäusern koordiniert der Krankenhaushygieniker die Risikoabschätzung.
Bis zur Sanierung können außerdem Filter direkt am Hahn oder an der Dusche das Risiko senken. Eine zu warme Leitung kühlen sie allerdings nicht.
Häufige Fragen
Kann man Kaltwasser mit Legionellen trinken?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gilt Trinken nicht als Ansteckungsweg, weil die Magensäure Legionellen abtötet. Anstecken kann man sich vor allem, wenn man feine Wassertröpfchen einatmet, seltener auch, wenn beim Schlucken Wasser in die Atemwege gerät.
Ob das Wasser nach einem Befund nur eingeschränkt genutzt werden darf, erfahren Sie aus der Risikoabschätzung. Wenn nötig, kann das Gesundheitsamt eigene Maßnahmen anordnen.
Wie beseitigt man Legionellen im Kaltwasser?
Zuerst geht es an die Ursache, also an die Wärmequelle, die schwache Dämmung oder das stehende Wasser. Was genau zu tun ist, ergibt sich aus der Risikoabschätzung, und die Arbeiten übernimmt ein Fachbetrieb. Spülen allein beseitigt keine Wärmequelle. Die Schritte nach einem Befund erklärt unser Ratgeber Legionellen im Trinkwasser: was tun.
Was sagt der DVGW zu Legionellen im Kaltwasser?
Kurz gesagt: Ab 25 °C können sich Legionellen im Kaltwasser vermehren, und je wärmer das Wasser wird, desto stärker. Das zeigt das Forschungsprojekt W 201629, das der DVGW von 2016 bis 2019 durchführen ließ. Ab 30 °C war der Anstieg deutlich.
Zugleich beruhigt das Projekt in zwei Punkten. War das Wasser nur kurz über 25 °C, stiegen die Zahlen nicht gleich sprunghaft an. Die gute Nachricht aus demselben Projekt: Wer beim Kaltwasser die geltenden DVGW-Regeln einhält, muss keine Legionellenmengen fürchten, die der Gesundheit schaden.
Wird das Kaltwasser auf Legionellen untersucht?
Nein, nicht gesondert: Die Trinkwasserverordnung unterscheidet bei der Untersuchung nicht zwischen kalt und warm. Pflegeheime und Krankenhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung und Duschen müssen ihr Trinkwasser in aller Regel jedes Jahr auf Legionellen untersuchen lassen. So regelt es § 31 TrinkwV, und die Pflicht greift, wenn alle diese Bedingungen zugleich erfüllt sind:
- das Wasser wird gewerblich oder öffentlich abgegeben
- der zentrale Warmwasserspeicher oder -erwärmer fasst mehr als 400 Liter, oder eine Warmwasserleitung zwischen Erwärmer und Entnahmestelle fasst mehr als 3 Liter (ohne Zirkulation)
- es gibt Duschen oder andere Stellen, an denen Wasser vernebelt wird
- das Haus ist kein Ein- oder Zweifamilienhaus
Keine dieser Bedingungen betrifft das Kaltwasser. Wo die Proben genommen werden, richtet sich nach den anerkannten Regeln der Technik.
Haben Sie das Kaltwasser im Verdacht, kann eine zugelassene Untersuchungsstelle es gezielt beproben. Wer wie oft prüfen muss, erklärt unser Beitrag zur Legionellenprüfung.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 31 Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec.
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 51 Handlungspflichten des Betreibers in Bezug auf Legionella spec.
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 52 Information der Verbraucher
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 68 Besondere Maßnahmen des Gesundheitsamts in Bezug auf Legionella spec.
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV), Anlage 3 Teil II, technischer Maßnahmenwert für Legionella spec.
- Umweltbundesamt (2025): Durchführung einer Risikoabschätzung in Bezug auf Legionella spec. gemäß § 51 Trinkwasserverordnung, Stand 13.10.2025
- Umweltbundesamt (2012): Empfehlungen für die Durchführung einer Gefährdungsanalyse gemäß Trinkwasserverordnung, Stand 14.12.2012 (vom UBA ersetzt durch die Empfehlung „Durchführung einer Risikoabschätzung in Bezug auf Legionella spec. gemäß § 51 Trinkwasserverordnung“ von 2025; § 51 TrinkwV verweist noch auf die Fassung 2012)
- DVGW (2019): Forschungsprojekt W 201629 „Legionellen im Kaltwasser“
- Robert Koch-Institut (2021): RKI-Ratgeber Legionellose
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Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine rechtliche, technische oder gesundheitliche Beratung im Einzelfall. Angaben zu Legionellen und damit verbundenen Gesundheitsrisiken sind allgemeiner Natur und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Bewertung einer konkreten Trinkwasseranlage dar. Für die Umsetzung in Ihrem Betrieb sollten Sie die konkrete Situation mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen. Dieser Artikel enthält Links zu Produkten von Aqvior.