Wie lange ist lange genug?
Sie laufen durchs Haus, öffnen alle Duschen, zählen im Kopf mit. Irgendwann kommt kälteres Wasser, Sie drehen zu, fertig. Oder? Die Frage, wie lange bei der Hygienespülung das Wasser laufen muss, wird in der Hotellerie tausendfach gestellt und selten klar beantwortet. Sobald niemand die Dauer präzise kennt, wird großzügig aufgerundet, weil niemand das Risiko tragen will, zu kurz gespült zu haben. Das kostet Zeit, Personal und Energie.
Die VDI/DVGW 6023 fordert einen vollständigen Wasseraustausch spätestens alle 72 Stunden. Wie lange das Wasser laufen muss, hängt vom Leitungsvolumen, der Durchflussmenge und der Temperatur ab. Die Spülung endet, sobald Temperaturkonstanz erreicht ist, das stagnierende Wasser also vollständig ausgetauscht wurde. Bei einer Standardleitung bis zur Dusche dauert das meist zwischen 30 Sekunden und mehreren Minuten.
Was die Regel eigentlich verlangt
Nach VDI/DVGW 6023 gilt ein fehlender Wasseraustausch über mehr als 72 Stunden als Betriebsunterbrechung. Wer ein Zimmer länger nicht verkauft, ein Stockwerk im Winter schließt oder einfach drei Tage lang keine Gäste hat, muss das Wasser austauschen, damit es frisch bleibt. Das Intervall ist klar. Die Dauer nicht.
Die Richtlinie sagt: Spülen Sie bis zur Temperaturkonstanz, idealerweise, bis kaltes Wasser kommt. Was das praktisch bedeutet, steht nirgends in Sekunden. Es ist die Zeit, die das Wasser braucht, um von der Zuleitung durch die Steigleitung, den Stockwerksverteiler und die Einzelleitung bis zur Dusche zu fließen und dabei alles, was davor stand, hinauszudrücken. Jede Anlage ist anders, und deshalb ist jede Spüldauer anders.
In einem kompakten Hotel mit kurzen Leitungen reichen vielleicht 30 bis 40 Sekunden. In einem weitläufigen Altbau mit langen Horizontalleitungen können es zwei Minuten oder mehr sein. Niemand kann das mit bloßem Auge abschätzen. Und genau da beginnt das Problem.
Warum Personal großzügig aufrundet
Sie schicken Ihre Haustechnikerin los, die Duschen zu spülen. Sie öffnet den Hahn, das Wasser läuft. Wann dreht sie zu? Sobald es kalt genug wirkt. Oder sobald die Zeit um ist, die sie im Kopf mitgezählt hat. Oder sobald es sich richtig anfühlt.
Keiner dieser Anhaltspunkte ist verlässlich. Also rundet sie auf, zur Sicherheit. Wenn sie unsicher ist, lässt sie es eine halbe Minute länger laufen. Wenn der Facility Manager beim letzten Rundgang gesagt hat, das sei zu kurz gewesen, lässt sie es beim nächsten Mal doppelt so lange laufen. Die Unschärfe summiert sich, und sie summiert sich immer nach oben, nie nach unten.
Und die Unschärfe kostet doppelt. Nicht nur, weil das Wasser länger läuft als nötig, sondern weil jede Spülung Wege kostet: hingehen, öffnen, warten, schließen, protokollieren, weitergehen. Jede Entnahmestelle muss einzeln bedient werden. Wer 20 Bäder abläuft, verbringt den größeren Teil der Zeit nicht mit Spülen, sondern mit Laufen und Warten.
Arbeitszeit, die an anderer Stelle fehlt.
Was Temperaturkonstanz wirklich bedeutet
Temperaturkonstanz heißt: Das Wasser, das jetzt aus der Dusche kommt, hat dieselbe Temperatur wie das Wasser, das in der Zuleitung steht. Es ist frisch. Alles, was vorher in der Leitung stand, wurde hinausgespült. Das können Sie mit einem Thermometer messen, aber nicht durch Gefühl oder Zählen.
Das gilt für beide Seiten. Beim Kaltwasser spülen Sie, bis das Wasser kalt ist und die Temperatur konstant bleibt. Beim Warmwasser gilt das Gegenteil: gespült wird, bis das Wasser heiß an der Entnahmestelle ankommt. Beide Leitungen müssen ausgetauscht werden, denn das Legionellenrisiko liegt genau im Bereich dazwischen, etwa zwischen 25 und 55 °C.
Wird die 72-Stunden-Grenze gerissen, greifen strengere Maßnahmen. Bis zu sieben Tagen genügt es, das Wasser an mehreren gleichzeitig voll geöffneten Entnahmestellen mindestens fünf Minuten laufen zu lassen. Bei mehr als sieben Tagen fordert die VDI 3810 Blatt 2 / VDI 6023 Blatt 3 einen vollständigen Wasseraustausch durch Spülung nach DVGW W 557 (A): mit mindestens 2 m/s in der Leitung mit dem größten Durchmesser, wobei Strahlregler und Duschköpfe abgeschraubt werden. Das ist ein Reinigungsvorgang und Sache des Fachbetriebs, keine Routinespülung.
Genau deshalb lohnt es sich, den 72-Stunden-Rhythmus gar nicht erst reißen zu lassen. Wer ohne Messung spült, kann das Ende nicht erkennen. Also rundet er auf. Jeden Tag. Bei jeder Dusche. Das summiert sich.
Temperaturkonstanz allein reicht nicht
Die VDI 6023 Blatt 1 verlangt bei Stagnationsspülungen zusätzlich, dass mindestens eine turbulente Strömung erreicht wird. Es genügt also nicht, den Hahn einen Spalt weit zu öffnen und zu warten, bis das Wasser kälter wird. Die Entnahmestelle muss voll geöffnet sein, damit in der Einzelzuleitung überhaupt genug Volumenstrom entsteht. In weitläufigen Anlagen kommt hinzu, dass für die Verteilleitungen mehrere Entnahmestellen gleichzeitig laufen müssen.
Von Hand ist das nur mit erheblichem Personal- und Zeitaufwand zu leisten. Eine automatische Armatur öffnet dagegen jedes Mal vollständig, mit demselben Volumenstrom, ohne dass jemand daran denken muss.
Was das praktisch bedeutet
Nehmen Sie ein Hotel mit 50 Zimmern. Belegte Zimmer tauschen ihr Wasser durch die Nutzung selbst aus, die müssen Sie nicht spülen. Bei 70 % Auslastung stehen im Schnitt 15 Zimmer leer, in der Nebensaison sind es schnell 30.
Das eigentliche Problem ist damit nicht die Spülung selbst, sondern die Frage davor: Welche Zimmer sind diese Woche überhaupt fällig? Wann lief in Zimmer 214 zuletzt die Dusche? Das steht in keinem PMS. Wer es nicht sicher beantworten kann, spült im Zweifel alle, und rundet dabei jede einzelne Spülung auf.
Dazu kommen die Wege: 30 Bäder anlaufen, 30-mal warten, 30-mal ins Protokoll eintragen. Und das Risiko, dass ein Eintrag fehlt, weil jemand krank war, im Urlaub, oder weil das Zimmer, das drei Wochen nicht verkauft wurde, einfach übersehen wurde.
Das ist kein Vorwurf. Es ist die logische Folge einer Aufgabe, die präzise sein muss, aber nicht präzise gemacht werden kann, sobald sie manuell läuft.
| Kriterium | Manuelle Spülung | Automatische Aufputz-Duscharmatur |
|---|---|---|
| Auslöser | Spülplan, Erinnerung | 72 h seit letzter tatsächlicher Nutzung |
| Spüldauer | Geschätzt, sicherheitshalber aufgerundet | Definiert, bei jeder Spülung gleich |
| Dokumentation | Handschriftlich, muss nachgetragen werden | Automatisch, jederzeit abrufbar |
| Präzision | Variiert je nach Person und Tagesform | Gleichbleibend, sekundengenau protokolliert |
Wie lässt sich das lösen
Sie können weiter manuell spülen, mit Stoppuhr und Thermometer. Sie können Spülstationen einbauen, die zentral gesteuert werden, aber nicht an der Entnahmestelle selbst messen. Oder Sie gehen dahin, wo das Risiko am höchsten ist: zur Dusche.
Denn dort entsteht das Aerosol, über das Legionellen überhaupt erst in die Lunge gelangen. Der Gesetzgeber sieht das genauso: Nach § 31 TrinkwV ist eine Trinkwasserinstallation auf Legionellen untersuchungspflichtig, wenn drei Bedingungen zusammentreffen: eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung (Speicher über 400 Liter oder mehr als 3 Liter Inhalt in einer Leitung zwischen Erwärmer und Entnahmestelle), Duschen oder andere Einrichtungen mit Vernebelung des Trinkwassers, und die Abgabe im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit. Auf ein Hotel trifft in aller Regel alles drei zu. Die Dusche ist damit nicht nur der kritischste Punkt im Zimmer, sondern auch der, der die Untersuchungspflicht überhaupt erst auslöst.
Eine Retrofit-Lösung wie die Aqvior Aufputz-Duscharmatur automatisiert die Spülung direkt in der Dusche. Die Spüldauer wird bei der Inbetriebnahme einmal am tatsächlichen Leitungsvolumen eingemessen, einmal richtig gemessen, statt jedes Mal neu geschätzt. Sobald 72 Stunden seit der letzten tatsächlichen Nutzung vergangen sind, startet die Spülung und läuft exakt diese Dauer. Bei jeder Spülung identisch. Kein Aufrunden, keine Unsicherheit, kein Personal, das daran denken muss. Jede Spülung wird im Web-Dashboard protokolliert, und der Compliance-Report ist mit einem Klick abrufbar.
Die Installation dauert in unter einer Stunde, ohne Baulärm, ohne Fliesen zu stemmen. Die Armatur ist selbstversorgend und braucht keinen Stromanschluss. Andere Entnahmestellen behalten ihre eigene Spülroutine, aber die Dusche, der kritischste Punkt im Zimmer, ist abgedeckt.
Präzise Spülung ohne Schätzen – automatisch dokumentiert
Aqvior automatisiert die Hygienespülung direkt an der Dusche und protokolliert jede Spülung lückenlos. Inspektionsbereit, ohne dass jemand daran denken muss.
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Häufige Fragen
Wie lange muss bei der Hygienespülung gespült werden?
Bis zur Temperaturkonstanz, das heißt, bis alles stagnierende Wasser aus der Leitung geflossen ist. Wie lange das dauert, hängt vom Leitungsvolumen und der Durchflussmenge ab. In Hotels sind das meist zwischen 30 Sekunden und mehreren Minuten pro Dusche. Wer ohne Messung spült, rundet sicherheitshalber auf, und das kostet Zeit und Energie.
Was bedeutet Temperaturkonstanz?
Temperaturkonstanz bedeutet, dass das Wasser, das jetzt aus der Dusche kommt, dieselbe Temperatur hat wie das frische Wasser in der Zuleitung. Das ist der Punkt, an dem das alte, stehende Wasser vollständig ausgetauscht wurde. Sie können das mit einem Thermometer messen, aber nicht durch Zählen oder Fühlen.
Warum reichen 30 Sekunden oft nicht aus?
Weil in vielen Hotels die Leitungen länger sind, als es auf den ersten Blick scheint. Von der Steigleitung über den Stockwerksverteiler bis zur Einzelleitung summiert sich das Volumen. In einem weitläufigen Bau oder bei einer T-Stück-Installation kann es gut sein, dass Sie zwei Minuten oder mehr brauchen, bis frisches Wasser ankommt. Wer pauschal 30 Sekunden ansetzt, tauscht das Wasser möglicherweise nicht vollständig aus.
Quellen
- VDI (2022): VDI/DVGW 6023 Blatt 1 – Hygiene in Trinkwasser-Installationen
- VDI/DVGW: VDI 3810 Blatt 2 / VDI 6023 Blatt 3 – Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasser-Installationen
- Bundesrepublik Deutschland: § 31 TrinkwV – Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec.
- Bundesministerium für Gesundheit (2023): Trinkwasserverordnung und Legionellen – Stammtext (PDF)
- DVGW (2020): Arbeitsblatt W 557 (A) – Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen
- DVGW (2024): twin – Trinkwasserinstallationen: Stagnation und Wiederinbetriebnahme (PDF)
Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine rechtliche, technische oder gesundheitliche Beratung im Einzelfall. Angaben zu Legionellen und damit verbundenen Gesundheitsrisiken sind allgemeiner Natur und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Bewertung einer konkreten Trinkwasseranlage dar. Für die Umsetzung in Ihrem Betrieb sollten Sie die konkrete Situation mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen. Dieser Artikel enthält Links zu Produkten von Aqvior.